Yarnbombing für Schreiber

Bild

FotoMorgen findet an über 40 Hochschulen die “Lange Nacht der ungeschriebenen Hausarbeiten” statt. Ich bin in Hannover dabei. Heute Vorbereitung in der Schreibwerkstatt der Leibniz-Universität. Mehr Infos unter #lndah. Auf dem Weg zum Schloss Herrenhausen fand ich dieses dieses umhäkelte Yarnbombing – Kunstwerk – ein Pladoyer fürs Schreiben…”Nimm einen Schreiber & schreib mal wieder!”

Leibniz Uni: 24.000 Studenten – ein Schreibberater

Bild

Leibniz Universität

Leibniz Universität Hannover    

Ab heute darf ich David Kreitz in der Schreibwerkstatt an der Leibniz Universität Hannover für eine Woche über die Schulter schauen. Dort laufen die Vorbereitungen für die Nacht der ungeschriebenen Hausarbeiten am Donnerstag auf Hochtouren. Danke David für die Zeit, die Du Dir nimmst, um mir die Abläufe, die Beratungen, die Struktur zu erklären.

Für diejenigen, die wie ich die Uni bisher nicht kannten: 120 Studiengänge, 24.000 Studenten, rund 3000 Abschlüsse pro Jahr, ein Schreibberater.

Schreibend die eigene Vision entwickeln

Bild

Schreiben ist auch eine Möglichkeit, seine Legende zu leben.

Schreiben ist auch eine Möglichkeit, seine Legende zu leben.

Gestern beim Treffen der “Live Your Legend“-Community Köln wurde mir klar, dass Schreiben auch sehr nützlich für die Entwicklung und Gestaltung der eigenen Legende sein kann. Für den Beginn: Wie wäre es mit einem Schreibsprint (4 Minuten die Gedanken aufs Papier fließen lassen) zu folgenden Fragen:
1. Was wollten Sie immer schon einmal schreiben?
2. Was wäre anders, wenn Sie es geschrieben haben?
3. Was müssten Sie tun, um es gründlich zu versemmeln?
Vielen Dank an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die inspirierenden Gespräche!

 

Unbeschriebene Blätter & persönliche Ziegelsteine

1995 veröffentlichte Dietrich Schwanitz die Hochschul-
satire “Der CamOLYMPUS DIGITAL CAMERApus”. Kapitel 7 startet mit vier Seiten über eíne waschechte Schreibblockade. Kommt Ihnen die hier beschriebene Schreibstarre bekannt vor? Mir schon. Ich blickte damals aus der WG in der Gartenstraße auf die gegenüberliegende Mauer der Justizvollzugsanstalt Münster/Westfalen und kannte jeden Ziegel dieser Mauer persönlich.

“Martin Sommer blickte auf das leere Blatt Umweltpapier auf seinem Schreibtisch. Es war so fahl wie der Hamburger Himmel hinter seinem Fenster, und es war so leer wie sein Hirn. Zum hundertsten Mal stand er von seinem Schreibtisch auf, ging am Wandkalender vorbei, überzeugte sich, dass es immer noch Montag war, klemmte sich mit Rücken und angezogenen Beinen längs auf den breiten Fenstersims, so daß er links aus dem Fenster blickte, während er rechts zum Zimmer hin den schweren Vorhang vorzog. Eine Weile saß er so zwischen dem dunklen Stoff und der durchsichtigen Fensterscheibe und suchte die Welt da draußen nach einem Zeichen ab. Aber die Welt da draußen bestand aus der kahlen Brandmauer gegenber und dem leeren Himmel über ihr. Nach dem er diese immense Leere zum hundertsten Mal wieder durchgearbeitete hatte, schob er den Vorhang beiseite und kehrte an seinen Schreibtisch zurück, um zu prüfen, ob sein leeres Blatt Umweltpapier sich inzwischen verändert hatte. Die geringste Spur einer Einwirkung hätte ihm genügt. … Aber seit Wochen war das Blatt völlig unverändert geblieben. Das einzige, was sich in Martins Zimmer veränderte, waren die Tage auf dem Kalender, die er jeden morgen durchstrich.”
aus: Dietrich Schwanitz, Der Campus, München: Goldmann 1996, S. 124f.

 

Foto:  Peter Smola  / pixelio.de

Dem Zensor ein Taxi rufen

Bild

Taxi - SchildVorgestern wollte mir ein Textanfang nicht so recht gelingen. Schreibbremse. Die kommen immer wieder mal vor. Schreibbremsen lassen sich lösen. In diesem Fall hatte mein innerer Zensor verkündet: “Ich finde Deine Textidee maßlos übertrieben.” Der Entwurf stockte. Kein Wort, kein Satz mehr.

Am Abend zuvor hatte ich in einem Roman gelesen, dass die Hauptdarstellerin den Gespenstern, die sie nicht schlafen lassen, in Gedanken ein Taxi ruft und zuschaut, wie sie einsteigen und wegfahren. Das habe ich dann mit dem Zensor ausprobiert: Taxi gerufen, hinterhergewunken, die maßlose Textidee aufgeschrieben und gespeichert. Zugegeben: Der erste Textversuch war ein wenig übertrieben. Aber in der zweiten Runde konnte ich ihn ein wenig runterschrauben. Neues Taxi gerufen, Text ist eingestiegen und kam wohlbehalten beim Auftraggeber an.

Foto: © Picture-Design – Fotolia.com

Buchtipp: Protokolle erstellen

Bild

Clip0002

Kleines Buch, großer Nutzen: Diese preiswerte Handbuch bietet sehr viele praktische Tipps für das Schreiben guter Protokolle und kann dabei seinen großen Brüdern locker das Wasser reichen. Die wichtigen Fakten über Textform und Schreibkontext sind sehr gut präsentiert: Protokollarten, Vor- und Nachbereitung, Anforderungen an die Protokollanten – auch für erfahrene Protokollschreiber gibt es hier noch Neues zu entdecken. Kleines Manko: Für Arbeit und Training ist das Westentaschenformat nicht so praktisch, wie es auf den ersten Blick scheint.
Dennoch: Ein sehr empfehlenswerter Ratgeber.

Nicole Langer, Protokolle erstellen, München: Compact 2011, 192 S., 3,50 EUR

Welcher Schreibtyp sind Sie?

Ikea fragte seine Kunden kürzlich “Welcher Küchentyp sind Sie?” – kreativer Chaot oder systematischer Rezeptbefolger? Und bot dazu die passenden Küchen an. Wer sich für Mode interessiert, weiss häufig, ob sie oder er ein Frühlings- oder ein Wintertyp ist und welche Farben dazu passen.

Aber wer kennt seinen Schreibtyp? Ja, Sie lesen richtig, es gibt auch unterschiedliche Schreibtypen. Die Wissenschaft unterscheidet sie nach dem jeweiligen Ausgangspunkt, von dem die Schreibenden ihre Texte beginnen. Kein Witz. 

Grob gesprochen gibt es zwei Sorten von Schreibenden:

  • Die einen haben eine Idee für ihren Inhalt. Sie schreiben über diese Idee und entwickeln von dort ausgehend den Gesamttext und die passende bzw. vom Auftraggeber (zum Beispiel einer Hochschule) geforderte Textstruktur.
  • Die anderen denken zuerst über die Struktur des Textes nach und beginnen damit, die Struktur zu gestalten und mit Text zu füllen.

Warum ist das wichtig? Weil jeder Schreibtyp die zu ihm passenden Techniken benötigt, um typgerecht “ins Schreiben zu kommen”.  Von solchen Techniken werde ich hier zukünftig mehr berichten.